
# Die Offenbarungen

Johannes Siedersleben, Tuntenhausen, Dezember 2019

Im Schloss von Angers (Maine-et-Loire) hängt ein monumentaler Wandteppich mit den wesentlichen Elementen der Offenbarungen:
die sieben Siegel, die sieben Posaunen, der Drache, die drei Engel, die sieben Schalen und das neue Jerusalem.
Im *Namen der Rose* {cite}`eco1982rose` von Umberto Eco sind sechs tote Mönche kunstvoll mit den ersten sechs Posaunen verknüpft. So verspeist Jorge, 
der blinde Bibliothekar, ein vergiftetes Buch (das zweite Buch des Aristoteles) in Analogie zur sechsten Posaune, 
wo Johannes ein himmlisches Büchlein isst (sic).

Die Offenbarungen wurden erst spät ins Neue Testament aufgenommen; Luther hätte sie am liebsten wieder entfernt &ndash; 
verständlicherweise, muss man sagen. Wir verdanken ihnen Begriffe wie die *apokalyptischen Reiter*, das *Lamm Gottes*, 
das *Jüngste Gericht*, *Armageddon* und das *Tausendjährige Reich*.
Der Autor ist mit Sicherheit nicht der Johannes des Evangeliums, denn die Offenbarungen wurden sechzig Jahre
später verfasst, und ihr Griechisch ist arm und fehlerhaft im Gegensatz zur Eleganz des Evangeliums 
{cite}`barton2019history`, p.154, {cite}`freeman2011early`, p. 107.

Wir erfahren die sadistischen Details einer Apokalypse in vielen Schritten, den Untergang der Welt auf 
kleiner Flamme und die anschließende Erlösung als neue Welt Gottes, die aber nur wenigen Auserwählten
offen steht. Die anderen landen im Feuersee. 

Die Offenbarungen haben über Jahrhunderte hinweg zahllose Gläubige in Angst und Schrecken versetzt, 
denn wer kann hoffen, auserwählt zu sein? Jede Katastrophe auf dieser Welt (Epidemie, Krieg, Klima) kann und wird von
manchen als Bestätigung der Offenbarungen gewertet. Wer auch immer der Autor war:
Nur ein kranker Geist konnte dieses Hexen-Einmaleins erfinden. Heute stehen wir ratlos vor dem Text &ndash;
nimmt ihn noch jemand ernst?

## Was steht da eigentlich drin?

Die Offenbarungen (22 Kapitel) bestehen aus fünf ungleichen Teilen:

* Einleitung (1): Der Autor stellt sich vor als Johannes von Patmos. Hier sagt Jesus: *Ich bin das A und das O*
* Die sieben Sendschreiben (2 - 3): Sieben Gemeinden (Ephesus, Smyrna, Pergamon, Thyatira, Sardes, Philadelphia,
Laodizea) bekommen einen Brief mit einer strengen Beurteilung, wie in der Schule.
Manche kommen ganz gut weg (Smyrna), andere weniger (Sardes, Laodizea).
* Der Weltuntergang (4 bis 20) wird in zahlreichen Schritten detailliert dargestellt mit dem Weltgericht 
als schrecklichem Abschluß für alle Nicht-Erwählten. 
* Das neue Jerusalem (21), wo *der Tod nicht mehr sein wird, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein*.
Es entstehen ein neuer Himmel, eine neue Erde und das neue Jerusalem, die Braut
des Lammes, mit 12 Toren und 12 Grundsteinen mit den Namen der 12 Apostel. Es
gibt weder Tod noch Leid. Gott ist der Tempel. Vom Thron Gottes und des Lammes
geht das Wasser des Lebens aus, an dem die Bäume des Lebens stehen.

* Epilog (22): *Selig ist, der die Worte dieses Buches bewahrt. Aber wehe dem, der etwas wegnimmt oder hinzufügt.*

## Kapitel 4 bis 20

Hier eine Zusammenfassung der Kapitel 4 bis 20 in Stichpunkten ohne weiteren Kommentar.

### Vision vom thronenden Gott im Himmel 4,1-11:
Ein Thron in der Mitte, umgeben von 24 Greisen in weißen Gewändern, ebenfalls auf Thronen sitzend,
Vor dem Thron sieben Fackeln, welche die sieben Geister Gottes darstellen. Vier himmlische Gestalten mit
Augen vorne und hinten usw.

### Das Buch mit den sieben Siegeln 5,1-14
Nur das Lamm Gottes, mit sieben Augen und sieben Hörnern (entsprechend den sieben Geistern, die Gott auf die Erde geschickt hat), 
ist würdig, die Siegel zu öffnen.

a. Erster apokalyptischer Reiter (weißes Pferd, Tyrann, Christus?) 6,1-2

b. Zweiter apokalyptischer Reiter (rotes Pferd, Krieg) 6,3-4

c. Dritter apokalyptischer Reiter (schwarzes Pferd, Waage: Rationierung, Hungersnot)
6,5-6

d. Vierter apokalyptischer Reiter (fahles Pferd, Tod) 6,7-8

e. Fünftes Siegel: 6,9- 11: 
Es erscheinen die Seelen der Märtyrer, die ein Gericht verlangen.

f. Sechstes Siegel 6,12-17

 * Der Himmel wird zusammengerollt, die Menschen verbergen sich in den Bergen.

 * 144.000 Auserwählte bekommen ein Siegel auf die Stirn

g. Siebtes Siegel 8,1-5: 
Eine halbe Stunde Stille. Dann bekommen sieben Engel sieben Posaunen.

### Die sieben Posaunen 8,6-11,19

a. Die erste Posaune 8,7: 
Hagel und Feuer, ein Drittel der Erde wird verbrannt.

b. Die zweite Posaune 8,8-9: 
Ein brennender Berg fällt ins Meer, ein Drittel der Fische und der Schiffe wird vernichtet.

c. Die dritte Posaune 8,12-13: 
Der Stern „Wermut“ fällt in Flüsse und Quellen. Ein Drittel des Wassers wird bitter,
viele Menschen werden vergiftet.

d. Die vierte Posaune 8,12-13: 
Sonne, Mond und Sterne verlieren ein Drittel ihrer Leuchtkraft. Ein Adler ruft dreimal
„Wehe“ (entspricht den drei kommenden Posaunen).

e. Die fünfte Posaune 9,1-12: 
Heuschrecken kommen aus dem Schacht des Abgrunds und quälen alle Menschen
ohne Gottessiegel (alle bis auf die 144.000).

f. Die sechste Posaune 9,13-21

* Vier am Euphrat gefesselte Engel werden losgebunden. Ein Drittel der
Menschheit stirbt durch Feuer, Rauch und Schwefel aus den Mäulern von
abertausend Pferden.

* Ein Engel kommt mit einem Büchlein vom Himmel und gibt es Johannes zum
Essen (sic). Johannes bekommt einen Messstab zur Vermessung des Tempels.

* Zwei mächtige Propheten legen 1260 Tage lang ein Zeugnis ab. Sie werden
durch das (erste?) Tier getötet und liegen 3,5 Tage auf der Straße. 
Dann werden sie auferweckt und steigen in den Himmel auf. Dabei stürzt ein Zehntel
der Stadt ein und 7000 Menschen kommen um.

g. Die siebte Posaune 11,15-10: 
Die 24 Ältesten loben Gott, dass er die Herrschaft angetreten hat. Der Tempel Gottes
wird geöffnet, die Bundeslade wird sichtbar. Es kommen ein schweres Erdbeben und
schwerer Hagel.

### Kampf des Satans gegen das Volk Gottes

a. Die Frau und der Drache 12,1-18: 
Eine Frau gebiert einen Sohn, ein Drache mit sieben Köpfen und zehn Hörnern will
sie verschlingen. Sie flieht in die Wüste für 1260 (= 12 x 7 x 15) Tage. Michael und seine
Engel besiegen den Drachen und dessen Engel und stürzen sie auf die Erde. 
Der Drache versucht, die Frau zu ertränken, schafft es aber nicht. Er beschließt, Krieg gegen
die Nachkommen der Frau zu führen.

b. Die beiden Tiere 13,1-18: 
Ein Tier mit 10 Hörnern und sieben Köpfen steigt aus dem Meer und bekommt für 42
(= 7 x 6) Monate Macht über alle Völker. Ein anderes Tier mit zwei Hörnern ist der
falsche Prophet. Es bringt die Menschen dazu, das erste Tier anzubeten und zwingt
sie, sich mit der Zahl 666 zu kennzeichnen.

c. Das Lamm und die Seinen 14,1-5: 
Das Lamm steht auf dem Berg Zion, zusammen mit den 144.000, die jungfräulich
sind. Sie singen vor dem Thron Gottes ein neues Lied, das nur sie lernen können.

### Das Jüngste Gericht

a. Ankündigung des Gerichts 14,6-13: 
Drei Engel kündigen das Jüngste Gericht an, den Fall Babylons und die Bestrafung derer, die das erste Tier anbeten.

b. Ernte und Weinlese 14,14-20: 
Weil die Frucht reif ist, schleudert der Menschensohn eine Sichel auf die Erde, ein
Engel schleudert ein Winzermesser, …, die Kelter des Zornes Gottes wird getreten
und es strömt daraus Blut.

c. Die sieben Engel mit den sieben letzten Plagen treten auf 15,1

d. Die Überwinder des Tieres singen Gott ein Loblied 15,2-4

e. Die sieben Schalen des Zornes Gottes

* Die Übergabe der Schalen 15,5-8: Jeder der Engel (der sieben Plagen) bekommt von
einem der vier Lebewesen eine goldene Schale gefüllt mit dem Zorn Gottes.

* Die erste Schale wird über das Land gegossen 16,2: 
An den Menschen mit dem Kennzeichen des Tiers bildet sich ein böses Geschwür.

* Die zweite Schale wird über das Meer gegossen 16,3: 
Das Meer wird zu Blut, alle Lebewesen im Meer sterben.

* Die dritte Schale wird über die Flüsse und Quellen gegossen 16,4-7: 
Das Wasser wird zu Blut.

* Die vierte Schale wird über die Sonne gegossen 16,8-9:
Die Menschen verbrennen in der Hitze. Trotzdem bekehren sie sich nicht.

* Die fünfte Schale wird über den Thron des Tieres gegossen 16,10-11:
Es kommt Finsternis über das Reich des Tiers. Die Menschen bekommen
Angst, bekehren sich aber immer noch nicht.

* Die sechste Schale wird über den Euphrat gegossen 16,12-16:
Der Euphrat trocknet aus. Drei unreine Geister aus dem Maul des Tiers und
des falschen Propheten führen die Könige zu Harmagedon zum Kampf am
großen Tag Gottes.

* Die siebte Schale wird über die Luft gegossen 16,17-21:
Es folgen Blitz, Donner und ein gewaltiges Erdbeben. Die Städte stürzen ein,
alle Inseln und Berge verschwinden. Hagel stürzt auf die Menschen herab
und die Menschen verfluchen Gott.

f. Die Hure Babylon und das Tier 17,1-18:
Die Mutter der Huren (Göttin Roms), betrunken vom Blut der Heiligen, sitzt auf einem scharlachroten Tier. 
Ein Engel verkündet den Fall der Frau und des Tiers.

g. Der Untergang Babylons 18,1-8: 
Tod, Trauer, Hunger und Feuer kommen über die Stadt.

h. Klage über den Untergang Babylons 18,9-24: 
Könige, Kaufleute und Schiffsherren weinen und klagen. Freut Euch, ihr Heiligen,
Gott hat die Stadt um euretwillen gerichtet.

i. Jubel im Himmel und Ankündigung der Hochzeit des Lamms 19,1-10

j. Der Reiter auf dem weißen Pferd (Christus) siegt über das Tier und den falschen Propheten 19,11-21: 
Ihm folgt das Heer des Himmels. Aus seinem Mund kommt ein scharfes Schwert. Die
beiden Tiere und die versammelten Könige der Erde werden besiegt und in den See
von brennendem Schwefel geworfen.

k. Das Tausendjährige Reich 20,1-6: Ein Engel fesselt den Drachen (den Satan) und verschließt ihn für 1000 Jahre im Abgrund. 
Alle, die Jesus trotz Gefahr weiterhin bezeugt haben und getötet wurden, gelangen zum Leben (erste Auferstehung) und herrschen mit Christus zusammen.

l. Der letzte Kampf und der endgültige Sieg 20,7-10: 
Nach 1000 Jahren wird der Satan freigelassen. Er sammelt alle Völker im Kampf gegen die Heiligen. 
Feuer fällt vom Himmel und verzehrt sie. Auch der Satan wird in
den See von brennendem Schwefel geworfen.

m. Das Weltgericht 20,11-15: 
Erde und Himmel verschwinden, das Buch des Lebens wird aufgeschlagen.
Die übrigen Toten stehen auf und werden nach ihren Werken gerichtet. Wer nicht im Buch
des Lebens verzeichnet ist, wird in den Feuersee geworfen.


