# Glossar

Dieses Glossar erklärt die wiederkehrenden Begriffe der Reihe ausführlicher als die Minimalversion im Vorwort (Kapitel 0). Es umfasst nur *Begriffe* – Sachwörter, Bewegungen, Institutionen als Konzepte. Eigennamen (Personen, Völker, Orte, einzelne Ereignisse) stehen im [Namensverzeichnis](index-of-names.md). Die Einträge sind alphabetisch geordnet.

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**Achse des Widerstands.** Das vom Iran seit den 1980er-Jahren aufgebaute Netzwerk verbündeter bewaffneter Bewegungen rund um Israel – vor allem Hisbollah (Libanon), Hamas und Islamischer Dschihad (Gaza), die Huthis (Jemen) sowie schiitische Milizen in Syrien und Irak. Gemeinsamer Nenner ist die Feindschaft gegen Israel; die ideologische und konfessionelle Geschlossenheit ist geringer, als der Begriff suggeriert.

**Aliya.** Hebräisch „Aufstieg“, „Hinaufgehen“. Die Einwanderung nach Israel. Die zionistische Bewegung zählt fünf große Aliya-Wellen zwischen 1882 und 1939: die *Erste Aliya* (1882–1903, vor allem aus Russland nach den Pogromen), die *Zweite* (1904–1914, sozialistisch geprägt, Gründung der ersten Kibbuzim), die *Dritte* (1919–1923), *Vierte* (1924–1929) und *Fünfte* (1929–1939, viele deutsche Juden auf der Flucht vor den Nationalsozialisten). Dazu kommt die *Aliyah Bet*, die gegen die britischen Einwanderungsbeschränkungen gerichtete „illegale“ Einwanderung 1934–1948, sowie nach der Staatsgründung weitere Wellen aus bestimmten Herkunftsländern (Jemen, Irak, Sowjetunion, Äthiopien).

**Antijudaismus vs. Antisemitismus.** Der *Antijudaismus* ist die christlich-theologische Judenfeindschaft des Mittelalters: Juden als ungläubige Gegner des wahren Glaubens, überwindbar durch Konversion. Der *Antisemitismus* ist die rassistische Judenfeindschaft der Moderne (der Begriff wurde 1879 von Wilhelm Marr geprägt): Juden als biologisch andere Rasse, unveränderbar durch Konversion. Der Unterschied ist historisch und politisch bedeutsam – die Taufe, die im Mittelalter den Ausweg bot, half gegenüber dem rassischen Antisemitismus nicht mehr.

**Aschkenasim, Sephardim, Mizrachim.** Die drei großen Traditionsgemeinschaften des Judentums. *Aschkenasim*: Juden mitteleuropäisch-osteuropäischer Herkunft (Jiddisch als Umgangssprache). *Sephardim*: Juden iberisch-mediterraner Herkunft, verstreut nach der Vertreibung von 1492 (Ladino als Umgangssprache). *Mizrachim*: Juden des Orients und Nordafrikas (verschiedene arabische, persische, türkische Sprachen). Die Unterscheidung hat historische, kulturelle und im modernen Israel auch soziale Bedeutung: Die Gründungselite war aschkenasisch, die nach 1948 aus den arabischen Ländern einwandernden Mizrachim erfuhren oft Herablassung.

**Bund / Bundismus.** Der „Allgemeine Jüdische Arbeiterbund“, 1897 gegründet, war die jüdische sozialistische Massenbewegung Osteuropas. Anders als der Zionismus suchte er die Lösung nicht in Auswanderung, sondern in der Gleichberechtigung *am Ort* (jiddisch *Doikayt*, „Hierigkeit“) und in kultureller Autonomie auf jiddischer Grundlage. Der Holocaust vernichtete seine Trägerschicht.

**Chassidismus.** Eine pietistische Erneuerungsbewegung, gegründet im 18. Jahrhundert von Israel ben Eliezer (genannt *Baal Schem Tov*). Sie betonte Frömmigkeit, Freude und mystische Gottesnähe gegenüber rein gelehrter Talmudkenntnis und entstand als Antwort auf soziale Krisen und die Erschütterung durch die Chmielnicki-Massaker und die Sabbatai-Zwi-Bewegung. Ihre orthodoxen Gegner hießen *Mitnagdim* („Opponenten“).

**Conversos / Marranen.** Im mittelalterlichen Spanien zwangsweise oder unter Druck zum Christentum übergetretene Juden. Viele praktizierten heimlich weiter jüdisch (*Kryptojudentum*). Aus dem so entstandenen „Converso-Problem“ erwuchs die Spanische Inquisition, die nicht Juden als solche, sondern angeblich rückfällige Neuchristen verfolgte. *Marranos* („Schweine“) ist die verächtliche Fremdbezeichnung.

**Convivencia.** Die – oft idealisierte – Vorstellung eines friedlichen Zusammenlebens von Muslimen, Christen und Juden im mittelalterlichen Spanien. Die neuere Forschung zeichnet ein nüchterneres Bild: Phasen relativer Toleranz wechselten mit Verfolgung; das „Goldene Zeitalter“ von al-Andalus war real, aber begrenzt und brüchig.

**Dhimmi / Jizya.** Der *Dhimmi*-Status („Schutzbefohlener“) regelte im islamischen Recht die Stellung von Juden und Christen: erlaubte Religionsausübung gegen Zahlung einer Sondersteuer (*Jizya*) und unter rechtlicher Ungleichheit. Verglichen mit der christlichen Judenfeindschaft des Mittelalters bot er meist mehr Sicherheit, war aber ausdrücklich auf Unterordnung angelegt.

**Diaspora.** Griechisch „Zerstreuung“. Die Existenz jüdischer Gemeinden außerhalb des Landes Israel. Erste Anfänge schon nach der assyrischen Eroberung des Nordreichs 722 BCE (und mit frühen Gemeinden wie Elephantine); spätestens seit dem babylonischen Exil 586 BCE ein dauerndes Merkmal, nach 135 CE der Dauerzustand. Über weite Strecken der jüdischen Geschichte war die Diaspora nicht die Ausnahme, sondern die Regel.

**Emanzipation.** Die rechtliche Gleichstellung der Juden als Staatsbürger, beginnend mit der Französischen Revolution (1791) und sich im 19. Jahrhundert über Europa ausbreitend. Sie war Voraussetzung für die jüdische Teilhabe an Wissenschaft, Kunst und Wirtschaft – und zugleich Reizthema des modernen Antisemitismus, der die Gleichstellung rückgängig machen wollte.

**Exilarch.** Hebräisch *Resch Galuta*, „Haupt des Exils“. Das weltliche Oberhaupt der jüdischen Gemeinschaft im babylonischen (später sassanidischen) Exil, von den Herrschern anerkannt, mit begrenzter Steuer- und Rechtsgewalt. Gegenstück im Westen war das von Rom anerkannte Patriarchat (*Nasi*).

**Feste und Feiertage.** Der jüdische Festkalender folgt dem Mond- und Sonnenjahr und hält die Erinnerung an die eigene Geschichte wach. *Pessach* (Passah) im Frühjahr feiert den Auszug aus Ägypten; sein häuslicher Festabend, der *Seder*, schließt mit dem Ruf „Nächstes Jahr in Jerusalem“. *Schawuot* (Wochenfest), fünfzig Tage später, erinnert an die Offenbarung der Tora am Sinai. *Rosch ha-Schana* (Neujahr) und der zehn Tage darauf folgende *Jom Kippur* (Versöhnungstag, ein strenger Fastentag) sind die „hohen Feiertage“ des Herbstes. *Sukkot* (Laubhüttenfest) gedenkt der Wüstenwanderung. Pessach, Schawuot und Sukkot sind die drei *Wallfahrtsfeste*, an denen man einst zum Tempel hinaufzog. *Chanukka*, das achttägige Lichterfest, erinnert an die Wiedereinweihung des Tempels nach dem Makkabäeraufstand; *Purim* an die Errettung der persischen Juden (Buch Ester). Der wichtigste Trauertag, *Tischa beAv*, hat einen eigenen Eintrag.

**Ghetto.** Das abgegrenzte, oft ummauerte jüdische Wohnviertel der europäischen Stadt (der Name stammt aus Venedig, 1516). Im 20. Jahrhundert besetzten die Nationalsozialisten den Begriff neu: Die NS-„Ghettos“ (etwa in Warschau) waren Zwangslager und Vorstufen der Vernichtung.

**Grüne Linie.** Die Waffenstillstandslinie von 1949 zwischen Israel und seinen Nachbarn, benannt nach der grünen Farbe auf den Verhandlungskarten. Sie wurde zur faktischen Grenze Israels bis 1967 und gilt seither als Bezugslinie für eine mögliche Zwei-Staaten-Lösung, ohne je völkerrechtlich anerkannte Staatsgrenze gewesen zu sein.

**Halacha.** Das jüdische Religionsgesetz, basierend auf Tora, Talmud und rabbinischer Auslegung. Sie regelt Alltagsleben, Rituale, Ehe, Geschäfte – in der klassischen Form eine vollständige Lebensordnung. Wer als Jude *im Sinne der Halacha* gilt (Kind einer jüdischen Mutter oder rechtmäßig Konvertierter), ist im modernen Israel eine politisch brisante Frage.

**Haskala.** Die jüdische Aufklärung (von hebräisch *Sekhel*, „Vernunft“), ein intellektueller Aufbruch des späten 18. und 19. Jahrhunderts, der Bildung, säkulares Wissen und die Annäherung an die umgebende Gesellschaft propagierte. Ihre Vertreter (*Maskilim*) bereiteten Reformjudentum, Emanzipation und teils auch den Zionismus vor.

**Hebräer / Israeliten / Juden / Judäer.** Das jüdische Volk trug verschiedene Namen zu verschiedenen Zeiten. *Hebräer* (*Ivrim*) ist der älteste Begriff, wahrscheinlich mit sozialer statt ethnischer Bedeutung. *Israeliten* bezeichnet das Volk zur Zeit der Könige und des ersten Tempels. *Judäer* (*Yehudim*) entsteht nach dem babylonischen Exil als Bezeichnung der Deportierten aus Juda; daraus wird *Juden* als Selbst- und Fremdbezeichnung der Gemeinschaft in der Diaspora. Die Geschichte der Namen ist ein Teil der Geschichte selbst.

**Holocaust / Schoa.** Die systematische Ermordung von etwa sechs Millionen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland (1941–1945). *Schoa* (hebräisch „Katastrophe“) ist die im Hebräischen und zunehmend auch sonst bevorzugte Bezeichnung, weil *Holocaust* („Brandopfer“) eine religiöse Deutung mitführt, die viele ablehnen. Die NS-Tarnbezeichnung lautete *„Endlösung der Judenfrage“*.

**Inquisition.** Die kirchliche, in Spanien ab 1478 königlich gelenkte Institution zur Aufspürung und Bestrafung von Häresie. In Spanien richtete sie sich vor allem gegen *Conversos*, denen heimliches Festhalten am Judentum vorgeworfen wurde. Verbunden mit dem Konzept der *limpieza de sangre* („Blutreinheit“) nahm sie eine rassische Argumentation vorweg, die der spätere Antisemitismus aufgriff.

**Intifada.** Arabisch „Abschüttelung“. Der palästinensische Aufstand gegen die israelische Besatzung. Die *Erste Intifada* (1987–1993) war weitgehend ein ziviler Volksaufstand (Steine, Streiks, Boykott); die *Zweite Intifada* (2000–2005) war bewaffnet und von Selbstmordattentaten geprägt.

**Jeschiwa.** Eine Talmudakademie, die zentrale Bildungseinrichtung des rabbinischen Judentums. Von den babylonischen Akademien (Sura, Pumbedita) über die osteuropäischen Lehrhäuser bis zu den heutigen Jeschiwot in Israel und den USA bilden sie die institutionelle Kontinuität jüdischer Gelehrsamkeit.

**Jiddisch / Ladino.** Die beiden großen jüdischen Diasporasprachen. *Jiddisch* entstand auf mittelhochdeutscher Grundlage mit hebräisch-aramäischen und slawischen Elementen und war die Umgangs- und Literatursprache der osteuropäischen Aschkenasim – bis der Holocaust ihre Sprecher vernichtete. *Ladino* (Judäo-Spanisch) bewahrte das Spanisch der 1492 Vertriebenen über Jahrhunderte im Osmanischen Reich.

**Jischuw.** Hebräisch „Ansiedlung“. Die jüdische Bevölkerung in Palästina vor der Staatsgründung – der „Alte Jischuw“ (traditionell-religiös, vor den Aliyot) und der „Neue Jischuw“ (durch die zionistische Einwanderung entstanden). Der Neue Jischuw entwickelte mit Jewish Agency, Histadrut und Haganah bereits staatsähnliche Institutionen.

**Kabbala.** Die jüdische Mystik, in ihrer einflussreichsten Gestalt im Spanien des 13. Jahrhunderts (Sohar) und später im galiläischen Safed des 16. Jahrhunderts ausgebildet. Die *lurianische Kabbala* (nach Isaak Luria) deutete Schöpfung, Exil und Erlösung kosmisch; ihr Begriff des *Tikkun* („Wiederherstellung“) wirkt bis in säkulare Vorstellungen wie *Tikkun Olam* („Reparatur der Welt“) nach.

**Karäer (Karäismus).** Eine im 8. Jahrhundert in Babylon entstandene Bewegung (begründet von Anan ben David), die allein die Hebräische Bibel als bindend anerkannte und den Talmud sowie die mündliche Tradition ablehnte. Zeitweise ernsthafte Konkurrenz zum rabbinischen Judentum, heute auf wenige Zehntausend geschrumpft.

**Kibbuz.** Eine kollektive, ursprünglich landwirtschaftliche Siedlung mit gemeinschaftlichem Eigentum, entstanden in der Zweiten Aliya. Die Kibbuzim prägten das sozialistisch-zionistische Selbstbild und die militärische Elite des jungen Israel weit über ihren zahlenmäßigen Anteil hinaus.

**Knesset.** Das israelische Parlament mit 120 Abgeordneten, gewählt nach reinem Verhältniswahlrecht. Die niedrige Sperrklausel und das Fehlen von Wahlkreisen erzwingen Koalitionen und verschaffen kleinen, oft religiösen Parteien überproportionalen Einfluss.

**Mandat (Völkerbundmandat).** Nach dem Ersten Weltkrieg übertrug der Völkerbund 1922 Großbritannien die Verwaltung Palästinas als „Mandat“ – eine Treuhandschaft, die zugleich die Balfour-Deklaration (eine „nationale Heimstätte“ für die Juden) umsetzen sollte. Das britische Mandat dauerte bis zum Abzug 1948.

**Nakba / Naksa.** *Nakba* (arabisch „Katastrophe“) bezeichnet aus palästinensischer Sicht die Flucht und Vertreibung von etwa 700.000 Arabern im Krieg von 1948 und den Verlust der Heimat. *Naksa* („Rückschlag“) nennt man die zweite Fluchtwelle infolge des Sechstagekriegs 1967.

**Neue Historiker.** Eine Gruppe vor allem israelischer Historiker (Benny Morris, Avi Shlaim, Ilan Pappé u. a.), die ab den späten 1980er-Jahren mit Aktenzugang die Gründungserzählung Israels revidierten – insbesondere zu Flucht und Vertreibung 1948. Der Streit um ihre Befunde (und ihre Gegner wie Efraim Karsh) durchzieht die jüngere Geschichtsschreibung. Vgl. das *Righteous-Victims-Paradigma* in Kapitel 0.

**Pogrom.** Russisch „Verwüstung“. Ein gewaltsamer, organisierter oder geduldeter Überfall auf eine jüdische Gemeinde. Die Welle nach 1881 im Russischen Reich und das Kischinew-Pogrom von 1903 trieben die Massenauswanderung und den politischen Zionismus voran.

**Rabbinisches Judentum.** Die nach der Tempelzerstörung (70 CE) in Yavne entstandene und bis heute prägende Gestalt des Judentums: eine Religion ohne Tempel, ohne Opfer, ohne Priesterherrschaft, getragen von Gelehrten (*Rabbinern*), vom Studium und von der Halacha. Ihre Grundtexte sind Mischna und Talmud.

**Reformjudentum, Neo-Orthodoxie, Konservatives Judentum.** Die drei großen Antworten des 19. Jahrhunderts auf Emanzipation und Moderne. Das *Reformjudentum* passte Liturgie und Gesetz der bürgerlichen Gegenwart an. Die *Neo-Orthodoxie* (Samson Raphael Hirsch) verband strikte Gesetzestreue mit moderner Bildung und Staatsbürgerschaft. Das *Konservative Judentum* suchte einen historisch-kritischen Mittelweg, der die Halacha als entwicklungsfähig begreift.

**Rückkehrrecht.** Die auf die UN-Resolution 194 (1948) gestützte palästinensische Forderung, die Flüchtlinge von 1948 und ihre Nachkommen dürften in ihre Heimatorte zurückkehren. Israel lehnt ein generelles Rückkehrrecht ab, weil es den jüdischen Charakter des Staates aufheben würde. Es zählt zu den härtesten Knoten des Konflikts. Vgl. *UNRWA*.

**Sabra.** Der in Israel geborene Jude (nach der Kaktusfeige: außen stachelig, innen weich). Der Begriff trägt das zionistische Ideal des „neuen Juden“ – stark, bodenständig, selbstbewusst – als Gegenbild zum als wehrlos empfundenen Diasporajuden.

**Schtetl.** Die kleine, überwiegend jüdische Marktstadt Osteuropas – arm, fromm, kulturell dicht. Das Schtetl war der Lebensraum von Millionen Aschkenasim und wurde, verklärt und real zugleich, zum Inbegriff der untergegangenen osteuropäisch-jüdischen Welt.

**Septuaginta.** Die griechische Übersetzung der Tora (3.–2. Jh. BCE) und später der gesamten Hebräischen Bibel, entstanden für die griechischsprachige Diaspora Alexandrias. Abgekürzt *LXX* („siebzig“) nach der Legende von 72 Übersetzern. Sie wurde zur Bibel des frühen Christentums.

**Siedlungen.** Die seit 1967 von Israel im Westjordanland (und bis 2005 im Gazastreifen, bis heute auf dem Golan) errichteten jüdischen Wohnorte. Nach herrschender völkerrechtlicher Auffassung sind sie unzulässig; in Israel sind sie zwischen religiös-nationalistischer Siedlerbewegung (*Gusch Emunim*) und ihren Kritikern hochumstritten und gelten als zentrales Hindernis einer Zwei-Staaten-Lösung.

**Tora / Tanach / Talmud.** Die *Tora* sind die fünf Bücher Mose – der Kern der Hebräischen Bibel. Der *Tanach* ist die gesamte Hebräische Bibel (etwa identisch mit dem christlichen Alten Testament). Der *Talmud* ist das nachbiblische Hauptwerk des rabbinischen Judentums – die *Mischna* (um 200 CE kodifizierte mündliche Lehre) samt ihrer jahrhundertelangen Kommentierung (*Gemara*). Es gibt ihn in zwei Fassungen: den knapperen *Jerusalemer* (um 400 CE) und den umfangreicheren, maßgeblich gewordenen *Babylonischen Talmud* (6./7. Jh.).

**Tischa beAv.** Der 9. Tag des Monats Av, höchster jüdischer Trauer- und Fastentag. Er erinnert an die Zerstörung beider Tempel (586 BCE und 70 CE) – der Überlieferung nach am selben Datum – und bündelt das Gedächtnis an die Katastrophen der jüdischen Geschichte.

**UNRWA.** Das 1949 geschaffene UN-Hilfswerk für Palästina-Flüchtlinge, zuständig nur für diese eine Gruppe (alle übrigen Flüchtlinge weltweit betreut das UNHCR). Seine Besonderheit: Der Flüchtlingsstatus wird vererbt, weshalb die Zahl der Registrierten von rund 700.000 auf über fünf Millionen wuchs. Befürworter sehen darin die Anerkennung eines ungelösten Unrechts, Kritiker eine Verewigung des Problems. Vgl. *Rückkehrrecht*.

**Zionismus.** Die politische Bewegung, die ab 1897 (Basler Kongress) einen jüdischen Staat in Palästina anstrebte. Es gab verschiedene Strömungen: der *politische Zionismus* Herzls strebte diplomatisch einen Staat an; der *sozialistische Zionismus* wollte ihn durch Arbeit aufbauen; der *religiöse Zionismus* verband ihn mit messianischen Erwartungen; der *Revisionismus* Jabotinskys forderte Maximalforderungen und Kampfbereitschaft; der *Kulturzionismus* Ahad Ha'ams setzte auf geistige Erneuerung statt Staatlichkeit. Alle speisen das heutige Israel und erklären seine inneren Spannungen.

**Zwei-Staaten-Lösung.** Das seit den 1990er-Jahren international vorherrschende Friedenskonzept: ein israelischer und ein palästinensischer Staat nebeneinander, ungefähr entlang der Grünen Linie von 1967. Der Oslo-Prozess sollte dorthin führen; Siedlungsbau, Gewalt und beiderseitiges Misstrauen haben ihn bislang vereitelt.